CEST_LA_VIE_TITEL
LEBENSGESCHICHTEM

Konzept der Sendung

Das Fernsehen hat verschiedene populäre Formate entwickelt, in denen gewöhnliche Menschen zu Wort kommen. Meist entstehen diese Sendungen im Studio, sie sind geprägt durch komplizierte Versuchsanordnungen, und die Gäste werden dazu angehalten, möglichst schnell auf den Punkt zu kommen. Anders bei C’est la vie! Hier geht der Moderator auf die Strasse und bietet zufälligen Passanten die Möglichkeit, ihrer Lebensgeschichte in einem Gespräch eine eigene dramatische Gestalt zu geben. In der 25-minütigen Sendung erzählen sie ihm aus ihrem Leben, von ihrem Werdegang, ihrem Schicksal, ihren Alltagserfahrungen und Träumen.

Die Gespräche finden in einem Café oder Restaurant statt, in dem sich Gast und Moderator vor einer grossen Fensterfront an einem Tisch gegenübersitzen. Dabei agiert der Moderator äusserst zurückhaltend. Er ist weder ein Abfrager von Bekenntnissen oder Meinungen noch ein mitfühlender Beichtvater. Insbesondere legt er keinen Wert darauf, ob die Erzählungen wahr sind. Ihn interessiert der Lebensroman seines Gastes, die Wendungen und Brüche, die spontan der Erinnerung entspringen. Das Gesagte wird nicht nachrecherchiert.

Jedes Gespräch entsteht aus dem Moment heraus. Mit behutsamer Neugier, aktivem Zuhören und mit präzisen Fragen nähert sich der Moderator den kleinen und grossen Themen seines Gegenübers. Die Zuschauer erleben mit, wie die befragten Menschen in ihre Geschichte eintauchen, wie sich Erinnerungen und Gedanken in ihrer Mimik ankündigen, bevor sie in Worte gefasst über die Lippen kommen.

Die ganze Sendung konzentriert sich auf das Interview. Das Dekor ist als öffentlicher Ort erkennbar, dennoch herrscht eine private, geschützte Atmosphäre. Das urbane Leben findet hinter der Fensterfront statt. Während der Zuschauer der Erzählung folgt, wandert sein Blick zum Fenster hinaus. Er sieht Busse, Strassenbahnen und Autos und vorbeigehende Passanten. So entsteht eine maximale Spannung zwischen der fast stummen Geschäftigkeit draussen und der beredten Zwiesprache drinnen.

Gedreht wird zu verschiedenen Jahreszeiten in grösseren Städten. Die verschiedenen Drehorte sorgen für Lokalbezug und Abwechslung. Jede Gegend und jede Dialektfärbung prägt ihre eigenen Lebensgeschichten. Mit den Wechseln verbreitert sich demnach das gesellschaftliche Spektrum der Geschichten. Und das Drehen zu verschiedenen Jahreszeiten wird dem Aktualitätsbezug des Fernsehens gerecht: Jede Sendung kann in der Saison ausgestrahlt werden, in der sie gedreht worden ist.

Jedes Gespräch wird über die Kassettenlänge von 40 Minuten aufgezeichnet. Der Zurückhaltung des Moderators entsprechen der diskrete Auftritt des Teams und der minimale technische Aufwand. Kameras, Ton und Licht nehmen den Raum nicht in Beschlag, sondern verschwinden im Dekor. Nebst dem Moderator besteht das Aufnahmeteam aus dem Regisseur, einem Chefkameramann, einem Kameraassistenten sowie dem Tonmann. Aufgezeichnet wird mit drei Digitalkameras. Bei den Kameras, die den Gast und den Moderator aufnehmen, werden Einbeinstative eingesetzt. So entstehen Bilder, die leicht bewegt und «atmend» das Authentische der Gesprächssituation unterstützen. Auch beim Ton herrscht keine Studioatmosphäre. Im Hintergrund sind die Geräusche des Restaurantbetriebes hörbar.

Beim Schnitt werden die 40-Minuten-Aufnahmen auf 25 Minuten Sendezeit verdichtet. Die Chronologie ändert sich dabei kaum. Allenfalls müssen thematische Überschneidungen umgestellt werden. Nachgedreht wird nicht.

Vor- und Abspann betonen den Seriencharakter und das Konzept der Sendung. Der Vorspann ist eine Montage von Aussenaufnahmen mit dem Moderator, wie er Passanten anspricht. Durch deren Antworten erfährt der Zuschauer die Spielanleitung. Von Sendung zu Sendung wird nur die letzte Einstellung ausgewechselt, die den jeweiligen Gast zeigt. Titel und Namen der Gäste sind handgeschrieben.

Der Abspann zeigt den Moderator wieder auf der Strasse, wie er von neuem Leute anspricht, und vermittelt damit dem Zuschauer, dass es in einer Woche mit einem neuen Gespräch weitergeht. Die Einstellung gefriert zu einem Standbild, über das die Schlusstitel rollen.

In der Gesamtheit werden diese Lebensgeschichten zu Gesellschaftsbildern, zu Partikeln einer «Oral History», die eine in den Medien wenig gepflegte Sicht auf das jeweilige Land vermitteln.

Skizze der Aufnahmesituation   

Skizze der Aufnahmesituation


Team

Moderation Patrick Frey

Realisation Iwan Schumacher

Chefkamera René Baumann, Pierre Mennel

Kamera Christine Munz, Arne Hector,Susanne Hofer, Nepomuk Neunhoefer Katrin Oettli, Iwan Schumacher

Ton Ruedi Guyer, Dieter Meyer, Jens Rövekamp ,Martin Witz

Editing Anja Bombelli, Regula Bill, Daniel Gibel, Heidi Hildebrand, Doris Schmid

Mischung Jürg von Allmen

Musik Anders Guggisberg

Grafik Gerry Amstutz, Claudia Schmauder

Online & Titelgrafik Paul Avondet

Rechtsberatung Adriano Vigano

Buchhaltung Stephanie Hernandez

Konzept & Produktion Schumacher & Frey

Schweizer Fernsehen DRS, Redaktion Erwin Koller, Marco Meier, Renate Münzel